Landenten mit und ohne Haube: Forschung, Verantwortung, Erhaltung 

Die Landente mit und ohne Haube stellt eine historisch tief verankerte Form der domestizierten Hausente dar, deren genetische und phänotypische Besonderheiten seit Jahrhunderten in der bäuerlichen Nutzgeflügelhaltung dokumentiert sind. Das Merkmal Haube beruht auf einer dominanten Mutation der Schädelstruktur, die zur Ausbildung einer knöchernen Vertiefung oder Öffnung führt, in der die charakteristische Federhaube entsteht. Diese anatomische Modifikation verleiht der Rasse eine besondere wissenschaftliche Relevanz, da sie sowohl morphologische als auch neurobiologische Fragestellungen berührt und damit ein Modellorganismus für die Untersuchung domestikationsbedingter Schädel- und Hirnvariationen darstellt.

Weiterführende Untersuchung zur Kurzbeinigkeit bei verschiedenen Hühnerrassen

Abschlussbericht Bearbeitung: Diplom-Biologe Armin Six Dr. rer. nat. Mareike Fellmin M. Sc. Saskia Neukirchen Projektassistenz: M. Sc. Mario Lamers und Arne Kutsche Horschbach, April 2025

Abschluss der Masterarbeit „Beeinflussung des Verhaltens von Hühnerküken (Gallus gallus domesticus) durch farbiges Licht während der Inkubation“

am Wissenschaftlichen Geflügelhof des BDRG

Viele Besonderheiten und Bedürfnisse bei der Haltung von Hühnern sind bereits erforscht worden. So zum Beispiel, dass Hühner in kleinen Gruppen eine hierarchische Sozialstruktur, die sogenannte Hackordnung, bilden, durch die die Tiere weniger aggressives Verhalten zeigen (Banks, 1956). Die Bildung einer Hackordnung ist jedoch bei großen Hühnergruppen von über tausend Tieren in meist reizarmen gleichförmigen Ställen nicht mehr möglich (Hughes et al., 1997). Dementsprechend wäre eine Förderung von Untergruppen in großen Produktionsgruppen wünschenswert, um Konfrontationen und Aggressionen unter den Tieren zu verringern. Eine Möglichkeit dies zu unterstützen, stellt die Prägung auf farbiges Licht dar. Gelänge diese, könnte in großen Gruppen durch Strukturierung der Ställe mit verschiedenfarbigem Licht die Bildung von Untergruppen und somit die Formung einer stabilen Hackordnung unterstützt werden.

Die Haustaube (Columba livia f. dom.) - als ein Modell für altersabhängige Verhaltensweisen

Auch im Jahr 2011 stand ein Großteil der durchgeführten Experimente unter dem Motto der laufenden Doktorarbeit „Die Haustaube (Columba livia f. dom.) als ein Modell für altersabhängige Verhaltensweisen“. Die Verhaltensuntersuchungen zum Prägungsverhalten an Tauben wurden in 2011 weitergeführt. Dabei wurde die Stichprobengröße der einzelnen Untergruppen optimiert, um so eine aussagekräftige statistische Auswertung zu gewährleisten. Zusätzlich wurden neue Aspekte aufgenommen, wie die Erkennung von Partnern und der eigenen Jungtiere. Abstandsmessungen im Rahmen der sozialen Präferenz rundeten das experimentelle Bild ab. Noch nicht abgeschlossen sind Kasper-Hauser-Experimente, bei denen Jungtiere der beobachteten Rassen einzeln bei Fremdrassen aufgezogen wurden.

Untersuchungen zur sozialen und räumlichen Wahrnehmung bei der Haustaube (Columba livia f. dom.)

Die moderne Verhaltensforschung bedient sich zahlreicher Tiermodelle zur Überprüfung verschiedenster Fragestellungen. In der Forschung werden Hühnerküken, Zebrafinken, aber auch Haustauben als „animal model“, d.h. als Modellorganismus, herangezogen. Die Haustaube eignet sich aufgrund ihrer großen Rassevielfalt, der einfachen Haltung und hohen Reproduktionsrate besonders als Modellorganismus für wissenschaftliche Untersuchungen. Neben ethologischen Aspekten, wie z.B. einem guten Orientierungsvermögen, macht sie eine anatomische Besonderheit des visuellen Systems bei Vögeln für Untersuchungen zur Lateralisation, d.h. zur Arbeitsteilung im Gehirn, besonders geeignet. Bei Vögeln überkreuzen sich die Nerven der Sehbahnen beider Augen im Chiasma opticum vollständig (Rogers, 1996; König & Liebich, 2001; Deng & Rogers, 2002: Abb.1).

Farbpräferenzen beim Geflügel - Bachelorarbeit von Christina E. Engel, 2013

Haushühner und Haustauben sind wie die meisten Vögel, hochentwickelte Augentiere. Sie verfügen über eine erweiterte spektrale Perzeption, da sie auch im UV-Wellenlängenbereich sehen können. Vögel sind daher geeignete Modellorganismen zur Untersuchung von Farbpräferenzen. Ältere Studien an Hühnern und Tauben konnten zeigen, dass es angeborene und erlernte Farbpräferenzen gibt. Jedoch fehlt der bisherigen Literatur ein übergreifender Untersuchungsansatz der Art, Rasse, Alter und Geschlecht mit einschließt.
Adulte Tiere und Jungtiere der Hühnerrasse Ostfriesische Möwe und der Taubenrassen Genter Kröpfer und Brieftaube wurden auf ihre Präferenzen gegenüber den Farben Rot, Weiß, Blau und Grün in einem open-field, einem standartisierten, in der Verhaltensforschung häufig angewandten Testverfahren, untersucht. Die Farben wurden aus dem normierten RAL-Farbsystem ausgewählt. Um die Farbpräferenzen der untersuchten Tiere zu ermitteln wurden farbige Platten in das openfield eingesetzt. Durch die Aufenthaltsdauer [sec] der Tiere in den einzelnen Farbbereichen konnten Rückschlüsse auf mögliche Farbpräferenzen gezogen werden.

Abschlussbericht der Bachelor-Arbeit „Geschlechtsspezifische Kommunikation beim Haushuhn Gallus gallus f.d.“

Die inzwischen abgeschlossene Bachelorarbeit von Silke Junkers, B.Sc.,  befasst sich mit dem Thema der Lautäußerungen des Haushuhnes Gallus gallus f. dom.. Hühner verfügen über 30 verschiedene Möglichkeiten der Lautäußerung (Baeumer, 1964; Wood-Gush, 1971). Der wohl bekannteste Laut ist das Krähen des Hahnes. Bei optimalen Bedingungen kann laut Engelmann (1984) ein Mensch den Krähruf eines Hahnes noch in 2 km Entfernung hören. Die Lautäußerungen des Bankivahuhns sowie deren Funktionen wurden bereits intensiv von Collias & Collias (1967) beobachtet und beschrieben. Ihre Studien ergaben, dass der Krähruf mehrere Bedeutungen hat. Zum einen kündigt er die Anwesenheit eines Hahns in seinem Territorium an, zum anderen lockt der Krähruf aber auch Hennen an (Collias, 1987).

Die Fragestellungen in diesem Projekt waren, ob
• Tiere verschiedener Rassen untereinander kommunizieren. Werden z.B. Hähne durch das Krähen anderer Hähne zum Ruf animiert?
• die Tagesrhythmik einen Einfluss auf das Krähen der Hähne hat?
• es Unterschiede zwischen der Anzahl der Krährufe bei den untersuchten Rassen gibt?

Zwischenstandsbericht der Untersuchung des Tarsometatarsus

bei verschiedenen Rassen des Haushuhns mit besonderer Berücksichtigung der Kurzbeinigkeit

Die Kurzbeinigkeit bei einigen Rassen der Haushuhns, darunter Chabo (Abb. 1) und Krüper, wird in der aktuellen Tierschutzdiskussion behandelt. Hierzu beschreibt das Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes, dass der „Krüper-Faktor“ bei homozygotem Auftreten in der Embryonalentwicklung eine Letalwirkung besitzt. Diese äußert sich am Anfang der Bebrütungsdauer und in der Schlupfphase.

Der Einfluss von verschiedenen Lichtbedingungen

auf das Normalverhalten von Hühnern und Tauben
Tonja Liersch


Hühner und Tauben sind wie die meisten Vögel und auch der Mensch hochentwickelte Augentiere. Jedoch unterscheidet sich die visuelle Wahrnehmung von Vögeln in zwei grundlegenden Eigenschaften. Sie weisen eine erweiterte spektrale Wahrnehmung auf was bedeutet, dass sie auch im UV-Bereich sehen können, wenn die Lichtquelle auch UV-Strahlen abgibt. Zudem haben sie ein höheres zeitliches Auflösungsvermögen. Das bedeutet niederfrequentes Licht mit einer Flackerfrequenz unter 100 Hz, wie es von einer handelsüblichen Leuchtstoffröhre abgegeben wird, wird als Lichtblitz wahrgenommen und nicht als Dauerlicht. Um der artspezifischen Physiologie des Geflügels zu entsprechen werden im Wirtschaftsbereich ausschließlich hochfrequente, flackerfreie Lichtquellen eingesetzt.
Vor diesem Hintergrund wurden zwei verschiedenen Verhaltensweisen, die Futteraufnahme an Hühnern und Tauben (N = 39) und die Partnererkennung bei Tauben (N = 10), unter vier verschiedenen Lichtbedingungen untersucht. Bei der Futteraufnahme wurde die Anzahl der benötigten Pickschläge erfasst um 30 Körner aus einem fest definierten Muster aufzunehmen. Bei dem Experiment der Partnererkennung wurden die Tauben in einer multiple choice Arena (Abb.1) beobachtet und die Aufenthaltsdauer [sec] in der Nähe des eigenen Partners zur Auswertung herangezogen.

Untersuchungen zur Kurzbeinigkeit

bei verschiedenen Hühnerrassen
(Gallus gallus domesticus)

Anna Steinhoff

Haustiere werden nach bestimmten Zuchtzielen - z.B. Leistung oder Morphologie - gezüchtet. Bei den beiden Haushuhnrassen Krüper und Chabo steht ein morphologischer Züchtungsansatz, die Verkürzung und Verdickung der Läufe, allgemein als Kurzbeinigkeit bezeichnet, im Vordergrund. Bisher wird angenommen, dass diese Kurzbeinigkeit durch ein autosomal-dominantes Gen mit unvollständiger Expressivität, auch als Krüper-Faktor (Cp-Gen) bekannt, verursacht wird. Die Kurzbeinigkeit bei Chabos und Krüpern wird von Tierschützern kritisiert, da das Cp-Gen, wenn es homozygot vorliegt, nach aktuellem Wissensstand vermutlich zu einer erhöhten Embryonalsterblichkeit zu Beginn und am Ende der Ontogenese führt. Dies ist insofern als kritisch anzusehen, da ab der Hälfte der Bebrütungszeit, d.h. ab etwa 10,5 Tagen, Hühnerfeten als Nachzucht bezeichnet werden und ab diesem Zeitpunkt unter das Tierschutzgesetz fallen.
 

Der Einfluss von Einzel- oder Gruppenhaltung

auf das Lernverhalten verschiedener Hühnerrassen (Gallus gallus f. d.)
Michael Zahmel

Hühner leben in einem engen Sozialverband, der meist aus einem Hahn und mehreren Hennen besteht. Die Hennen bilden untereinander eine Gruppenstruktur mit fester Hackordnung aus, was eine Individualerkennung der einzelnen Gruppenmitglieder voraussetzt. Aber nicht nur die sozialen Begebenheiten spielen eine Rolle für das physische und psychische Wohlergehen der Hühner, sondern auch eine artgerechte Haltung.
In der vorliegenden Studie wurde der Einfluss zweier unterschiedlicher Haltungskonzepte, Einzelhaltung und Gruppenhaltung, auf das Lernverhalten zweier Haushuhnrassen, Breda  (N = 6) und Bergischer Schlotterkamm (N = 7) untersucht.

Der Einfluss des Haltungsmanagements auf das Verhalten

von Tiermodellen am Beispiel verschiedener Geflügelarten
Christine Pütz, Bachelor of Science
 

Betreuer: Frau Dr. Inga Tiemann, Bruno-Dürigen-Institut & Herr Prof. Dr. Büschges, Zoologisches Institut der Universität zu Köln

In der zurzeit durchgeführten Masterarbeit soll der Einfluss des Haltungsmanagements auf das Verhalten verschiedener Geflügelrassen in standardisierten Testverfahren untersucht werden.
Dabei wird zum einen ein Vergleich der Rassen, aber auch des Futtermanagements angestrebt. Unterschiede im rassetypischen Verhalten sollen zu einem ebenso zweckmäßigen, wie gezielten Einsatz einzelner Rassen in der wissenschaftlichen Forschung führen. Häufig findet die Spezifikation auf Rassenebene in aktuellen wissenschaftlichen Publikationen nicht statt, obwohl frühere Studien morphologische und ethologische Unterschiede der Rassen des Hausgeflügels bereits darstellen konnten (Tiemann & Rehkämper, 2009).
Weiterhin erfolgt ein Vergleich des Futtermanagements. Futterrestriktion ist eine gängige Methode insbesondere bei der Durchführung von Lernexperimenten und wird nicht nur in der Arbeit mit Geflügel, sondern auch bei Nagetieren angewandt (Heiderstadt, McLaughiin, Wright, Walker, & Gomez-Sanchez, 2000). Im Gegensatz zur Futterdeprivation, bei derer den Tieren das Futter für einen bestimmten Zeitraum komplett vorenthalten wird, arbeitet die Futterrestriktion damit, dass den Tieren über einen längeren Zeitraum eine bestimmte Futtermenge angeboten wird. Auf diese Weise soll eine gesteigerte, länger andauernde Motivation der Tiere erreicht werden (Rowland, 2007).
Diese Studie beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern Rassenzugehörigkeit und Futtermanagement einen Einfluss auf das Verhalten der Tiere in standardisierten Testverfahren haben.
Rassevergleich:
Im Rahmen der Studie werden zwei Haushuhn- und zwei Haustaubenrassen untersucht und sowohl intra-(zwischen den Rassen einer Art) als auch interspezifisch (zwischen den Tierarten) verglichen. Als Haushuhnrassen werden Tiere der Rassen Breda und Chabo mit einem Stichprobenumfang von jeweils 12 Tieren ausgewählt. Bei den Haustaubenrassen werden das Altorientalisches Mövchen (12 Tiere) und der Rheinische Ringschläger (11 Tiere) untersucht. Alle Tiere sind weiblich, geschlechtsreif und im Schweizer Haus des Wissenschaftlichen Geflügelhofs untergebracht.

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